Die besten Podcasts und Bücher über Polyamorie
Irgendwann reichen Blogartikel nicht mehr aus. Man will tiefer einsteigen, Dinge durchdenken, die eigene Situation an etwas spiegeln, das andere schon durchdacht haben. Hier kommen Bücher und Podcasts ins Spiel. Die Auswahl an poly-Content ist mittlerweile groß, aber nicht alles davon ist gleich gut – deshalb hier eine kuratierte Liste, sortiert danach, was du gerade brauchst.
Wenn du gerade erst anfängst
Zwei Bücher gelten zu Recht als Startpunkt für fast jede poly-Reise: „The Ethical Slut” von Janet W. Hardy und Dossie Easton ist so etwas wie das Grundlagenwerk der ethischen Nicht-Monogamie. Es räumt mit der Vorstellung auf, dass Eifersucht und Besitzdenken naturgegeben seien, und zeigt, wie Beziehungen jenseits von Monogamie ehrlich und respektvoll gestaltet werden können. Wer noch ganz am Anfang steht und sich fragt, ob und wie Polyamorie überhaupt funktionieren kann, findet hier die Grundlagen.
Etwas praktischer wird es bei „Opening Up: A Guide to Creating and Sustaining Open Relationships” von Tristan Taormino. Das Buch nimmt sich Zeit für die konkreten Fragen, die in bestehenden Beziehungen auftauchen, wenn diese sich öffnen – von Absprachen über Zeitmanagement bis zu unterschiedlichen Modellen offener Beziehungen. Ein gutes zweites Buch, wenn „The Ethical Slut” die Haltung vermittelt hat und du jetzt die Umsetzung angehen willst.
Wenn du die Psychologie dahinter verstehen willst
Wer sich schon eine Weile mit Polyamorie beschäftigt, stößt irgendwann auf eine tiefere Frage: Warum reagiere ich in bestimmten Situationen so heftig? Warum fällt mir Sicherheit in manchen Verbindungen leicht und in anderen schwer? Genau hier setzt „Polysecure: Attachment, Trauma and Consensual Nonmonogamy” von Jessica Fern an. Das Buch überträgt Bindungstheorie auf nicht-monogame Beziehungen und erklärt, warum bestimmte Trigger auftauchen und wie sich sicherere Bindungsmuster auch in mehreren gleichzeitigen Beziehungen entwickeln lassen. Für alle, die verstehen wollen, was unter der Oberfläche von Eifersucht oder Verlustangst eigentlich passiert, ist das eine der ergiebigsten Lektüren überhaupt.
Wenn du lieber hörst als liest
Nicht jeder hat die Zeit oder Lust, sich durch ein ganzes Buch zu arbeiten – und dafür gibt es Podcasts. „Multiamory”, moderiert von Jase Lindgren, Emily Matlack und Dedeker Winston, konzentriert sich auf konkrete Kommunikations- und Beziehungswerkzeuge für nicht-monogam lebende Menschen. Wer nach greifbaren Gesprächstechniken sucht, die sich direkt im Alltag anwenden lassen, ist hier gut aufgehoben.
„Poly Weekly” von Cunning Minx ist einer der am längsten laufenden Podcasts zum Thema überhaupt und bietet entsprechend eine enorme Bandbreite an Perspektiven und Themen. Wer in die Community eintauchen und über Jahre hinweg mitverfolgen will, wie sich das Gespräch über Polyamorie entwickelt hat, findet hier ein enormes Archiv.
Wie du das Gehörte und Gelesene für dich nutzt
Ein Buch zu lesen oder eine Podcast-Folge zu hören verändert wenig, wenn die Gedanken danach wieder verpuffen. Hilfreicher ist es, kurz festzuhalten, was hängengeblieben ist: Welcher Satz hat dich getroffen? Welche Frage stellt sich dir jetzt neu? In Roster gibt es dafür den Reflexions-Bereich – ein privates Journal auf deinem Gerät, in dem du genau solche Gedanken nach dem Hören oder Lesen kurz festhalten kannst, ohne dass sie irgendwo synchronisiert oder geteilt werden.
Womit du am besten startest
Wenn du nur eines dieser Bücher lesen willst, dann wahrscheinlich „The Ethical Slut” – es liefert die grundlegende Haltung, auf der fast alles andere aufbaut. Wenn dich eher die emotionale Tiefe interessiert, ist „Polysecure” der bessere Einstieg. Und wenn du unterwegs oder beim Sport lieber hörst als liest, ist ein Griff zu Multiamory oder Poly Weekly der einfachste erste Schritt.
Häufige Fragen
Muss ich diese Bücher gelesen haben, um Polyamorie zu „verstehen”? Nein. Sie sind hilfreiche Werkzeuge, aber keine Voraussetzung. Viele Menschen lernen Polyamorie vor allem durch eigene Erfahrung und Gespräche mit Partnern.
Welches Buch ist am besten für den absoluten Einstieg geeignet? „The Ethical Slut” wird am häufigsten als erster Anlaufpunkt empfohlen, weil es grundlegende Denkweisen jenseits von Monogamie vermittelt.
Ich höre lieber, als zu lesen – wo soll ich anfangen? Multiamory eignet sich gut, wenn du konkrete Kommunikationswerkzeuge suchst. Poly Weekly ist die richtige Wahl, wenn du breite Perspektiven und ein großes Archiv willst.
Was hat Bindungstheorie mit Polyamorie zu tun? Sehr viel – unsere Bindungsmuster prägen, wie sicher oder unsicher wir uns in mehreren gleichzeitigen Beziehungen fühlen. „Polysecure” von Jessica Fern ist die ausführlichste Auseinandersetzung mit diesem Zusammenhang.